Presse


Unsere ehrenamtliche Arbeit im Spiegel der Lüneburger Presse

 

Sonnabend/Sonntag, 3./4. Dezember 11  WINSEN – ELBMARSCH

  
Bild links: Fred Jörke-Kunath (links) und sein Ehemann Kai Kunath vom Verein positHIV in Lüneburg waren als AIDS-Betroffene
mit einem Informationsstand dabei.– Bild rechts: Der schwule Heidekönig Pierre Hellbusch, hier zusammen mit Karina Stelter (links)
und Tanja Wolf vom Gesundheitsamt des Landkreises Harburg, unterstützt als Identifikationsfigur der Kampagne
„hin und wech - Schwule lieben in Niedersachsen“ die Aidsprävention in Niedersachsen.                                           Fotos: hü

Schwuler Heidekönig stand Rede und Antwort

700 Schüler nahmen an den AIDS-Aktionstagen im Kreishaus teil

Von Gabriele Hülskämper

Winsen. Der Welt-AIDS-Tag, der in diesem Jahr unter dem Motto „Positiv zusammen leben. Aber sicher!“ steht, bringt viele Menschen zusammen, die sich für Respekt, Toleranz und Unterstützung sowie gegen Unwissenheit und Gleichgültigkeit hinsichtlich dieses Themas engagieren. Das Gesundheitsamt des Landkreises Harburg veranstaltete jetzt zwei AIDS-Aktionstage, an denen insgesamt 700 Schülerinnen und Schüler von Hauptschulen, Realschulen, Gymnasien und Berufsbildenden Schulen ab der 8. Klasse kreisweit teilnahmen. Durch Spiel, Spaß und Gespräche vermittelten Mitarbeiter des Gesundheitsamtes den Schülern an zehn Stationen eines sogenannten AIDS-Parcours vielfältige Informationen zum Thema AIDS. Einen eigenen Stand hatte auch Pierre Hellbusch, der amtierende schwule Heidekönig aus Lüneburg, der die Aidspräventionskampagne „hin und wech – Schwule lieben in Niedersachsen“ unterstützt. „Ich möchte den Jugendlichen vermitteln, dass Homosexualität nicht schlimm oder weniger wert ist, sondern dass jeder einzigartig und auf seine Art somit ganz individuell ist. Dazu braucht es Respekt und Toleranz“, so der Heidekönig. „Es ist mir auch wichtig, darüber zu informieren, dass Homosexuelle anders als in der Wirklichkeit in den Medien sehr klischeehaft dargestellt werden und somit ein falsches Bild vermittelt wird.“ Wie Karina Stelter, sozialmedizinische Assistentin des Gesundheitsamtes des Landkreis Harburg, sagt, dürfe das Thema AIDS nicht in Vergessenheit geraten. „Wichtig ist es, zu wissen, wie man sich infizieren kann, wie man sich schützt und dass betroffene Personen nicht ausgegrenzt werden.“ Bei der Absolvierung des AIDS-Parcours konnten die Schüler Fragen stellen, selbst aktiv werden, experimentieren und sich so intensiv mit den Themen Liebe, Sexualität, AIDS und andere sexuell übertragbare Krankheiten auseinandersetzen. Anschließend erwarteten die Jugendlichen im Kinocenter Winsen zwei Filme zu den Themen Sexualität, Liebe, Freundschaft und AIDS.


Die korrekte Anwendung von Kondomen übten Flo (16) und
René (15) bei der Kondomstation.

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  • Hamburger Abendblatt
  • Lüneburger sammeln Spenden für Aids-Waisen in Tansania

26. November 2010, 06:00 Uhr

Dem Slogan des diesjährigen Welt-Aids-Tages "Positiv zusammen leben - aber sicher!" fühlen sich die beiden Vorstandsmitglieder des Lüneburger Vereins "positHIV", Kay Kunath und sein Mann Fred Jörke-Kunath, durch großes persönliches Engagement bei ihren vielfältigen Aktionen rund um die Themen HIV und Aids schon seit langem verpflichtet.

Lüneburg. Als Betroffene wollen sie der Thematik auf dieses Weise ein Gesicht geben.

Am Sonnabend, 27. November, beginnen sie mit einer Sammlung für Aids-Waisen in Tansania und einem Infostand an der Grapengießerstraße in der Innenstadt. Bei der Sammlung geht es um das Projekt der Aids-Waisenhilfe Holm, die sich in Tansania schon viele Jahre engagiert.

Seit 2001 gibt es das Hilfsprojekt der Kirchengemeinde Holm (Kreis Pinneberg) in der Partnergemeinde im Süden Tansanias. In den 17 Dörfern des Kirchenkreises gibt es dort mehr als 1700 Aids-Waisen. "Mit unserer Aktion soll ein Kinderschutzhaus unterstützt werden. Dort werden zurzeit vier Waisenkinder von einer Pflegemutter betreut. Die Zahl der Kinder soll verdoppelt werden" sagt Fred Jörke-Kunath.

Lüneburgs Bürgermeister Eduard Kolle hat für diese Aktion die Schirmherrschaft übernommen und wird am Vormittag am Infostand des Vereins sein. Am eigentlichen Welt-Aids-Tag, dem 1. Dezember, sollen dann Spenden für die eigene Arbeit gesammelt werden. Denn der Verein erhält aktuell keine Landeszuschüsse mehr.(stb)

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paidLandtagsfraktion der Linken spendet für Aids-Hilfe

1. Dezember 2010, 06:00 Uhr

Am 1. Dezember ist Welt-Aids-Tag. Aus diesem Anlass besuchte der Landtagsabgeordnete Patrick Humke-Focks (Die Linke) den Lüneburger Verein "PositHIV e.V.".

Lüneburg. Der Verein braucht zukünftig eine verlässliche, strukturelle Unterstützung, um seine Arbeit fortsetzen zu können - darauf wies Fred Jörke-Kunath von PositHIV e.V. hin. Humke-Focks versprach, sich um eine Regelförderung von Landesseite zu bemühen.

Nach Lüneburg brachte der Landtagsabgeordnete eine Spende über 400 Euro mit. Die Abgeordneten der Linksfraktion im Landtag verzichten auf die beiden letzten Diätenerhöhungen und spenden die Beträge an Vereine, Initiativen und Projekte in ganz Niedersachsen.

Der Lüneburger Verein gehört zu den Empfängern der Gelder. "Mit diesem sehr bescheidenen Beitrag wollen wir als Fraktion die ständige Arbeit von PositHIV über die letzten Jahre würdigen", sagte Humke-Focks. Der Verein PositHIV sammelt derzeit Spenden für Aids-Waisen in Tansania.

Die Spendensammlung, die vergangene Woche in der Innenstadt begonnen hat, wird vom Lüneburger Bürgermeister Eduard Kolle unterstützt, der die Schirmherrschaft für die Aktion übernommen hat.(es)

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paidAufklärung rettet Leben

Von Evelin Hartmann 1. Dezember 2010, 06:00 Uhr

Zum heutigen Welt-Aids-Tag besuchen 700 Schüler das Gesundheitsamt in Winsen

Karina Stelter vom Gesundheitsamt in Winsen klärt in Schulen des Landkreises Harburg über Aids auf.

Karina Stelter vom Gesundheitsamt in Winsen klärt in Schulen des Landkreises Harburg über Aids auf.
Foto: Evein Hartmann

Winsen. Wenn Karina Stelter, 40, in die Schule geht, hat sie einen Koffer mit Kondomen, Pillen-Schachtelen, Dildos und Infobroschüren dabei. Sie spricht über Aids - über Ansteckungsgefahren, wie man sich schützen kann, wo Betroffene Hilfe finden und wie es ist, mit dieser noch immer unheilbaren Immunschwächekrankheit zu leben. Die Sozialmedizinische Assistentin leitet die Aids-Beratung im Gesundheitsamt des Landkreises Harburg.

Nach Schätzungen des Robert Koch Instituts werden Ende 2010 70 000 Menschen mit HIV/Aids in Deutschland leben. Für Niedersachsen gehen die Schätzungen von 4 700 Infizierten aus. Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen betrug in Niedersachsen in diesem Jahr 128 Fälle (bis zum 31. August, Quelle: Niedersächsisches Gesundheitsamt). Dabei verzeichnet Niedersachsen bei einem Bevölkerungsanteil von etwa zehn Prozent der Gesamtbevölkerung nur etwa sechs Prozent der HIV-Neuinfektionen bzw. HIV/Aids-Fälle.

Der Grund: Großstädte wie Berlin, Hamburg oder Köln sind überproportional betroffen. So betrug der Anteil der Neudiagnosen aus der Region Hannover auch etwa 36 Prozent der gesamten niedersächsischen Fälle. 16 Prozent verteilten sich auf weitere größere Städte wie Oldenburg oder Osnabrück und etwa 48 Prozent der Meldungen auf ländliche Regionen.

Wie viele HIV-Infizierte im Landkreis Harburg leben, kann Karina Stelter nicht sagen. "Viele Betroffene lassen sich in Hamburg testen", so die Landkreismitarbeiterin. "Die Ärzte und Behörden melden die Fälle dann dem Robert Koch Institut und nicht den Landkreisen, in denen die Patienten wohnen." So sieht es die Bestimmung zur Meldepflicht vor.

Die fünf Ärzte des Gesundheitsamts in Winsen führten 2008 und 2009 etwa 80 Aids-Tests durch - anonym und kostenfrei. 2010 waren es bisher rund 60. Die Meisten ließen sich testen, weil sie einen neuen Partner haben oder nach einem One-Night-Stand Angst vor einer Infektion, so Karin Stelter. "Leider vergessen viele, dass die Inkubationszeit bei Aids zwölf Wochen dauert." Sie rate deshalb zu einem zweiten, späteren Test, denn nur nach Ablauf dieser Zeit könne man ganz sicher sein. "Fällt ein Test positiv aus, leitet die Aids-Beraterin den Betroffenen an spezialisierte Ärzte und an sogenannte Zielgruppenvereine, wie zum Beispiel den Lüneburger Verein PositHIV, weiter. Diese Gruppe von Betroffenen, bietet jeden ersten und dritten Donnerstag Informationen und Beratungen im Winsener Kreishaus an, von 16.30 bis 18.30 Uhr.

In den letzten Jahren sei aber keiner der im Landkreis Harburg durchgeführten Tests positiv ausgefallen. "Was das betrifft, leben wir hier in einer heilen Welt", so Karina Stelter. "Zu den meist betroffenen Risiko-Gruppen gehören Homosexuelle und Konsumenten intravenöser Drogen - und deren Szene ist im Landkreis Harburg klein."

Trotzdem: Aufklärung sei nach wie vor immens wichtig, so Karina Stelter. Das zeige die rückläufige Nachfrage nach Aids-Tests sowie die Statistik. So nehmen Geschlechtskrankheiten wie Aids wieder zu. Und Jugendliche seien heute wie vor zehn oder zwanzig Jahren verunsichert und nicht ausreichend aufgeklärt. "Kann ich mich anstecken, wenn ich aus demselben Glas wie ein Infizierter trinke oder ihm die Hand gebe?" Das sind Fragen, die Karina Stelter noch immer gestellt werden.

Am heutigen Welt-Aids-Tag kommen rund 700 Schüler aus dem gesamten Landkreis zu ihr ins Kreishaus, durchlaufen einen Aids-Parcours, der ihnen die wichtigsten Infos zum Thema vermitteln soll. Anschließend werden im Kinocenter Winsen Filme zum Thema gezeigt. Karina Stelter: "Nur wer bescheid weiß, kann sich schützen."

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Winsener Anzeiger Seite 3a vom 16.04.2010

Neu-Infizierungen verhindern

Lüneburger Verein zur Aids-Prävention in Winsen aktiv

se Winsen. Der gemeinnützige Verein zur Förderung der HIV/Aids-Prävention und zur Betreuung von Menschen mit HIV/Aids positHIV aus Lüneburg erweitert seinen Radius. In Kooperation mit dem Gesundheitsamt Winsen will der Verein künftig auch Menschen im Landkreis Harburg unterstützen. Zu diesem Zweck rührten sie jetzt vor der alten Rathaustreppe in Winsen kräftig die Werbetrommel. „Die Resonanz könnte ein bisschen besser sein“, räumen Fred Jörke-Kunath und Kai Kunath ein. Dennoch sind die beiden optimistisch, dass das Vereinsangebot auch im Landkreis Harburg gut aufgenommen wird. Schließlich engagiert sich der Verein seit zwei Jahren bei den Jugendfilmtagen in Winsen. Das hat seinen guten Grund: Denn neben der Hilfestellung für bereits Infizierte, hat der Verein vor allem die Verhinderung von neuen Ansteckungen im Blick. Gerade beim Nachwuchs habe sich in den letzten Jahren Sorglosigkeit breitgemacht, beobachtet der Verein. Ein großer Teil der Arbeit steckt daher in der Aufklärung. Zu diesem Zweck gehen sie in die Schulen, berichten aus eigener Erfahrung, warnen und mahnen. „Es ist schon ein Unterschied, ob ein Lehrer mit den Jugendlichen über dieses Thema spricht, oder jemand, der selbst betroffen ist“, berichtet Kunath. Darüber hinaus bietet der Verein an, Informationsstände zu besonderen Anlässen aufzubauen und Infomaterial zu verteilen, das sich nicht nur mit Aids, sondern generell mit sexuell übertragbaren Krankheiten befasst. Zudem werden Selbsthilfegruppen und die Hilfe beim Aufbau solcher Gruppen angeboten. Menschen, die bereits infiziert sind, steht der Verein beratend zur Seite.

In Winsen wird es in Kooperation mit dem Gesundheitsamt Winsen ab sofort jeden zweiten und vierten Donnerstag im Monat eine Gesprächsgruppe geben. „Die richtet sich nicht nur an Infizierte, sondern auch an alle Interessierten“, so Jörke-Kunath. Fragen dazu beantwortet Karin Stelter vom Gesundheitsamt unter Telefon (04171) 69 33 82. Mehr Infos zum Verein gibt’s im Internet (www. posithiv-lueneburg.de) und unter Telefon (04131) 40 89 22.

 

 

 

Wichtiger Hinweis:

                     Der Termin im Winsener Gesundheitsamt findet nicht mehr wie beschrieben
              am 2. und 4. Donnerstag im Monat, sondern am 1. und 3. Donnerstag im Monat statt.

positHIV e. V., Vorstand

 

 

Warben für ein neues AIDS-Präventionsangebot in Winsen:
Fred Jörke-Kunath (links) und Kai Kunath vom Verein positHIV aus Lüneburg.
Foto: se

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Hamburger Abendblatt

paidVerein positHIV jetzt auch in Winsen tätig

22. April 2010,  

Der Verein positHIV Lüneburg ändert seinen Namen in positHIV e.V. Vorstandsmitglied Kai Kunath: "Wir haben unser regionales Arbeitsgebiet in den Kreis Harburg ausgeweitet. In Kooperation mit dem Gesundheitsamt Winsen bieten wir dort zweimal im Monat zusätzliche Beratung zur Selbsthilfe an. In Winsen hat es im Vorjahr mehrere Neuinfektionen gegeben. Deshalb wollen wir dort verstärkt Öffentlichkeitsarbeit machen." Die Angebote in Lüneburg bleiben unverändert. Das nächste Sozialfrühstück von positHIV findet am Sonnabend, 24. April, von 10 Uhr an in den Vereinsräumen Am Berge 8, statt.(jule)

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Landeszeitung vom 4.8.2010

Der lange Kampf gegen Aids

Verein positHIV feiert zehnjähriges Bestehen

ca Lüneburg. Zwanzig Tabletten muss Kay Kunath jeden Tag schlucken, um seine Aids-Erkranung in Schach zu halten. Trotzdem ist er auf einem Auge erblindet, hat Wucherungen auf der Haut, muss das Fettgewebe in seinem Gesicht unterspritzen lassen. Wenn er in Schulen über seinen zwei Jahrzehnte währenden Kampf gegen die Folgen von Aids spricht, verstehen viele Jugendliche, warum sie sich beim Sex mit einem Kondom schützen müssen, um sich das heimtückische Leiden nicht "einzufangen". Denn man sieht zunächst niemandem an, dass er an der Krankheit leidet. Kunath und sein Mann Fred Jörke-Kunath engagieren sich im Verein positHIV, der jetzt sein zehnjähriges Bestehen feiert. Die beiden gehen als Betroffene regelmäßig in Jugendeinrichtungen und klären auf. Darin sehen sie auch eines der Hauptanliegen ihrer kleinen Gruppe, die nur zehn Mitglieder zählt. Doch nicht nur Aids ist ihr Thema, sondern auch andere sexuelle Erkrankungen. Gerade versucht das Paar, auch Einwanderer zu erreichen. Aber das sei nicht einfach, denn die Themen Sexualität und Krankheit seien für viele, die aus eher patriarchalischen Kulturen stammen, tabu. Die Ehrenamtlichen setzen bei ihrer Arbeit auf Hilfe der Ausländerbeauftragten Jacqueline Wolff. Sie hoffen, dass sie mit Flugblättern, die sie unter anderem in türkischer und russischer Sprache verteilen, Informationen vermitteln können. Im Büro Am Berge 8 sitzen die beiden Ehrenamtlichen fast jeden Tag, um Fragen zu beantworten - auch wenn meistens nur wenige den Schritt wagen. Auch ein Frühstück bieten sie an jedem letzten Sonnabend im Monat von 10 bis 13 Uhr an. Am Donnerstag, 5. August, feiert der Verein seinen Geburtstag von 19 Uhr an im Gemeindehaus von St. Nicolai. Dann kommt auch Deutschlands "erster Aids-Pastor", Rainer Jarchow berichtet über seine Arbeit.

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Landeszeitung vom 27. November 2009

Stärker als die Krankheit

Welt-Aids-Tag am 1. Dezember - Kai Kunath ist HIV-positiv - In Schulen spricht er über Angst, Chancen und Schutz

Weltweit geht die Zahl der Aids-Infizierungen zwar zurück, in Deutschland aber bleibt sie auf einem hohen Niveau. Dabei ist der Schutz gegen die lebensbedrohliche Immunschwächekrankheit einfach. Am Welt-Aids-Tag, dem 1. Dezember, setzen Initiativen und Behörden auf Prävention. Die LZ stellt heute lokale Veranstaltungen vor. Zudem haben wir Kai Kunath begleitet. Der Ratsherr leidet seit Jahren an Aids, er geht in Schulen, um über die Gefahren aufzuklären.
ca Lüneburg. "Hassen Sie den Menschen, der Sie infiziert hat?", möchte die Schülerin wissen. Kai Kunath zögert einen Moment: "Nein, vielleicht hat er nicht gewusst, dass er die Krankheit hat. Aber ich wüsste nicht, wie ich auf ihn reagieren würde, wenn ich ihn heute treffen würde." Kunath leidet an der Immunschwächekrankheit Aids. An diesem Vormittag sitzt er im Gymnasium Oedeme und ist quasi das lebendige Objekt dieser Bio-Stunde bei Lehrer Uwe Wunderlich. Die Jugendlichen fragen neugierig und ohne Scheu. Wenn man so will, lässt Kunath sich gerne sezieren. Denn er will aufklären und warnen: Aids sei eine große Gefahr, die Zahl der Infizierten bleibe konstant, viele seien viel zu sorglos.

"Wie hat Ihre Familie reagiert, als sie von der Krankheit erfuhr?", fragt ein Mädchen. Er habe damals im Krankenhaus gelegen: "Mein Vater hatte es nicht nötig zu kommen." Die Geschwister hätten Angst gehabt, sich anzustecken, und sich geweigert, die Kleidung des Bruders zu waschen. Schuld an seinem Leiden habe er selber, warum sei er schwul geworden? Die Teenager gucken ungläubig und grinsen, als Kunath mit einem Lächeln nachschiebt: Mit seinem Mann, mit dem er seit ein paar Monaten verheiratet ist, sei er ungefragt zu seinem Vater gefahren: "Ich habe ihn überrascht. Da bin ich Dickkopf."

Kunath hat sich 1991 infiziert, zwei Jahre später brach die Krankheit aus. Es war eine Zeit, als Aids als Schwulen- oder Lustseuche galt, als niemand ahnte, dass das lebensbedrohliche Virus zum Beispiel auch durch Bluttransfusionen übertragen werden kann. Heute prüfen Labors das Blut, bevor es eingesetzt wird.

Damals gab es kaum Medikamente, um den Zusammenbruch des Immunsystems zu stoppen. Der Körper konnte Viren nicht richtig bekämpfen, ein Schnupfen war eine ernste Bedrohung. Kunath erzählt, dass er fast wöchentlich zu Beerdigungen ging, weil Freunde und Bekannte an Aids starben. Er hatte Glück, er lebt, auch weil die Pharmaindustrie inzwischen Arzneien anbietet, die Viren in Schach halten. Anfänglich musste er rund 40 Tabletten am Tag schlucken, heute ist es die Hälfte: "Die Zusammensetzung hat sich geändert, mehrere Wirkstoffe wurden zusammengefasst."

Kunath fühlt sich zwar körperlich wohl, doch er hat einiges mitgemacht: Wucherungen auf der Haut, die entfernt wurden, er ist auf einem Auge erblindet, das Fettgewebe im Gesicht hat sich verändert, sodass er die Haut unterspritzen lässt. Oft sei es ein Kampf gewesen, die nötige Behandlung zu erhalten. Die Krankenversicherung habe nicht zahlen wollen. Er zog vor Gericht, schaltete Medien ein - die Kasse habe schließlich eingelenkt.

Der Mann im groben, karierten Hemd und in derben Jeans wirkt oft ein bisschen unbeholfen, er sucht nach Worten, wirkt manchmal anstrengend-missionarisch. Doch vor dieser Klasse mit ihrem Lehrer Uwe Wunderlich tritt Kai Kunath sehr selbstbewusst und beeindruckend auf. Er engagiert sich seit Jahren im Verein positHIV, berät Betroffene und Angehörige, er sammelt und informiert auf der Straße, er geht in Schulen und wirbt für Sex mit Kondomen - dem einzigen wirksamen Schutz. Kunath hat sein Schicksal angenommen, das verleiht Selbstbewusstsein: "Die Krankheit hat mich stark gemacht."

 

 

Landeszeitung vom 27. November 2009

 

 

 

 

Hamburger Abendblatt

Lüneburg

Welt-Aids-Tag: Bundesweit

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3000 Neuinfektionen allein in diesem Jahr

Das Gymnasium Oedeme setzt auf Prävention

Von Sandra Bengsch 1. Dezember 2008

Die Klasse neun F 1 traf einen Betroffenen, der ganz offen über sein Leben mit dem Virus berichtet hat.

Lüneburg. "Ich habe Aids", sagt Kai Kunath vom Verein positHIV-Lüneburg. 1991 hat sich der Lüneburger bei einem One-Night-Stand mit HIV infiziert. Zwei Jahre später ist die Krankheit bei ihm ausgebrochen. An diesem Morgen ist er zu Gast in der Klasse neun F 1 des Gymnasiums Oedeme.

Eingeladen hat ihn Martina Karenberg, Fachbereichsleiterin und Lehrerin für Biologie. Vorbereitend hat die Klasse das Immunsystem des Menschen im Unterricht durchgenommen und in diesem Zusammenhang auch das Thema Aids behandelt. Karenberg: "Ich bin sehr froh, dass Herr Kunath sich die Zeit nimmt und so offen mit den Schülern über seine Erfahrungen als Betroffener spricht."
Dass das etwas ganz anderes ist, als nur in Büchern über die Viruserkrankung zu lesen, finden auch die Schüler. "Wie eine lebende Warnung" empfindet ein Junge den Besuch. Aber auch Mitleid für den Betroffenen und eine Sensibilisierung für den eigenen Umgang mit Sexualität werden angesprochen. Nicht alle Menschen sind so aufgeklärt. Das belegt eine traurige Statistik: Nach Schätzungen des Robert Koch Instituts (RKI) leben bundesweit rund 63 500 Menschen mit HIV oder Aids. 3000 Neuinfektionen vermutet das RKI allein in diesem Jahr, 30 davon im Regierungsbezirk Lüneburg. Damit bleiben die Meldungen etwa auf dem Vorjahresstand. "Und das trotz umfangreicher Aufklärungskampagnen", sagt Aids-Expertin Dr. Stamer-Schröder. "Diese Entwicklung zeigt, wie wichtig Aufklärung und Prävention sind."

Auf Aufklärung setzt deshalb auch Kristian Gerdsen von der Aidshilfe Lüneburg. Anlässlich des Welt-Aids-Tages am 1. Dezember hat er die Jugendfilmtage im Cinestar Lüneburg organisiert. Heute und morgen werden die Filme "Kids" und "Ausgerechnet Zoe" vorgeführt. Beide greifen das Thema Aids aus jugendlicher Perspektive auf und sollen damit die jungen Menschen erreichen. Neben den Filmen warten Infostände und Verlosungsaktionen auf die rund 1300 angemeldeten Schüler.

Mit dabei sein werden auch knapp 200 Neuntklässler des Gymnasiums Oedeme, denn Martina Karenberg hat gleich den gesamten Jahrgang angemeldet. Die Neun F 1 ist dank Kai Kunath optimal vorbereitet. Weil die Schüler ihn alles fragen durften - und Kunath keine Antwort schuldig blieb. Von Berührungsängsten keine Spur. So erfahren die Jugendlichen von Kunaths Vater, der ihn nach bekannt werden der Infektion zurückweist. Von seiner persönlichen Reue, dass er damals, bei seinem One-Night-Stand, kein Kondom benutzt hat. Von diskriminierenden Behandlungen, als man ihm die Aids-Erkrankung ansieht. Aber auch von der Freude auf die geplante Hochzeit mit seinem Freund. Und von der Hoffnung, dass eines Tages ein Medikament gefunden wird, das Aids heilen kann.

 

 

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